Mitteilungen des Schweizerischen Idiotikons

Das Schweizerdeutsche Mundartkorpus (CHMK) ist online durchsuchbar: Unter www.chmk.ch können über 500 Werke der Mundartliteratur und knapp 1000 Webtexte im Volltext durchsucht werden. Die Korpussuche bietet Filtermöglichkeiten nach Dialekt, Urheberschaft, Veröffentlichungsjahr oder Gattung. Eine KWIC-Anzeige (Keyword in Context) listet alle Suchergebnisse übersichtlich auf. Die integrierte Dialektkarte bietet zudem eine geografische Repräsentation der vorhandenen Dialekte und dient zugleich der interaktiven Filterung nach denselben.

Die Arbeiten am Schweizerdeutschen Mundartkorpus wurden im Januar 2019 aufgenommen. Seither wurden mehrere hundert Bücher digitalisiert und Mundarttexte aus dem Internet heruntergeladen. Das Korpus umfasst bereits über 20 Mio. Wörter. Weitere Werke und Funktionalitäten werden laufend ergänzt.

Am 1. März 2022 tritt Christoph Landolt seine neue Funktion als Chefredaktor des Schweizerischen Idiotikons an. Hans Bickel, der diese Funktion seit 2019 innehatte, geht per 28. Februar 2022 in Pension.

Hans Bickel war während 17 Jahren für das Schweizerische Idiotikon tätig. Unter anderem initiierte er die digitale Version des Wörterbuchs sowie das zur Zeit im Aufbau begriffene Schweizer Mundartkorpus und brachte die von Eugen Nyffenegger gegründete Plattform ortsnamen.ch unter das Dach unseres Unternehmens.

Gerhard Rampl vom Institut für Sprachwissenschaft der Universität Innsbruck hat für den onomastikblog.de das neue ortsnamen.ch unter die Lupe genommen. Wir freuen uns sehr über dieses Interesse an der Plattform sowie die konstruktive Kritik, welche wir uns zu Herzen genommen haben. So konnten wir bereits alle der genannten Punkte prüfen und überarbeiten: Die Suchtrefferliste kann nun nach 6 verschiedenen Kriterien sortiert werden (Relevanz, Name, Gemeinde, Kanton, Nord-Süd, West-Ost). Zur besseren Sichtbarkeit der einzelnen Treffer ist als Standardkarte nicht mehr die Schweizer Landeskarte voreingestellt, sondern das topografische Landesmodell (swissTLM) in Schwarzweiss. Auch die beobachteten «Kinderkrankheiten» sind behoben.
Rampls Rezension ist gleichzeitig auch ein interessanter Leitfaden durch ortsnamen.ch. Und er verrät den Leserinnen und Lesern zum Beispiel, wie man eine Ähnlichkeitssuche absetzen kann.

Hier gehts zur vollständigen Rezension:

Seit August 2021 ist die neue Plattform personennamen.ch online. Sie sammelt Daten der Personennamenforschung der Schweiz und stellt diese kostenlos zur Verfügung.

Nun ist die Datensammlung von personennamen.ch beträchtlich gewachsen: Das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) hat personennamen.ch sämtliche Daten des «Familiennamenbuchs der Schweiz» zur Verfügung gestellt. Einhergehend mit diesem Datenzuwachs wurden die Funktionen auf personennamen.ch ausgebaut: Die Daten aus dem «Familiennamenbuch der Schweiz» können übersichtlich als Karte oder in Tabellenform dargestellt und zeitlich oder nach Namenvariante gefiltert werden. Als besonders interessant erweist sich der Zeitstrahl, welcher die Historie der Einbürgerungen von Familiennamen darstellt. Des Weiteren werden relevante Einträge aus dem HLS aufgeführt und verlinkt.

Sehen Sie sich zum Beispiel die Einträge zu Baumgartner, Schwarz oder Weibel an.

Seit Ende 2021 ist die stark überarbeitete Version von ortsnamen.ch online. Im Vordergrund der Überarbeitung stand die Mobiltauglichkeit von Suche, Trefferdarstellung und Karte. Die neue Version punktet zudem mit Übersichtlichkeit und neuen Inhalten wie z.B. einem «Steckbrief» zur Ortsnamenforschung in der Schweiz oder nützlichen Suchbeispielen.

ortsnamen.ch sammelt Forschungsdaten zur Toponomastik aus der ganzen Schweiz und stellt sie der Öffentlichkeit einheitlich und übersichtlich zur Verfügung. 

ortsnamen.ch/toponymes.ch ist zweisprachig (Deutsch und Französisch) und wird realisiert durch das Schweizerische Idiotikon, mit Unterstützung des Glossaire des patois de la Suisse romande.

Im November 2021 ist das 228. Heft des Schweizerischen Idiotikons – das siebente des 17. Bandes – herausgekommen. Es enthält einleitend eine grosse Vielfalt an Wörtern, die noch zum Konsonantengerüst z–g(g) gehören, unter anderem Zauggen «Ausgussschnabel, Zinken», ziggen «schlagen, Fangen spielen», zigglen «zupfen, herumtollen, sticheln, schäkern», Zogg «unbeholfener Mensch», Zoggel «Schuh mit Holzsohle und Lederschaft», Zoggel «Wolle mit eingebackenem Schafmist, Schmutzknoten am Schwanz, Putzlappen», Zoggel «Art Mehlknödel», Zug(g)etti «Zucchetti» und Züggen «Kürbis, Gefäss, Kopf». Den Hauptteil des Heft nehmen aber Wörter ein, die zum Konsonantengerüst z–h gehören: zǟh «zäh», Zaher «Träne», Zēhen «Zehe», zëhen «zehn» (mit den Zusammensetzungen von 13 bis 19), Zëhend «Zend (Teilgebiet im Wallis)», Zëhend «Zehnt (Naturalabgabe)», zīhen «zeihen, bezichtigen» (mit u.a. verzīhen «verweigern, verzichten, verzeihen») sowie den Anfang der grossen Wortgruppe von ziehn «ziehen».

Seit einigen Tagen ist die Plattform personennamen.ch online. Ähnlich wie ortsnamen.ch dient sie der Bündelung diverser Ressourcen zur Personennamenforschung in der Schweiz. Im Mittelpunkt steht eine Datenbank, die verschiedene Informationen zu einzelnen Namen zusammenführt. Jeder Eintrag zu einem Namen ist übersichtlich dargestellt und über die Suchfunktion oder – wenn der Name sehr häufig vorkommt – über die Liste der hundert häufigsten Familiennamen der Deutschschweiz auffindbar. Neben etymologischen Namendeutungen finden sich in den Nameneinträgen auch Verlinkungen zu relevanten Quellen, darunter über eintausend Radiobeiträge mit Namenerklärungen, das Idiotikon mit Einträgen zu Ruf- und Familiennamen oder – für historisch Interessierte – zu den Zürcher Ehedaten des 16.–18. Jahrhunderts (Staatsarchiv Zürich). Statistische und geographische Informationen sowie eine Bibliographie komplettieren vorderhand das Angebot. Weitere Daten und Abfragemöglichkeiten werden folgen.

Die Mitgliederversammlung des Vereins für das schweizerdeutsche Wörterbuch, die am 7. Juni hätte stattfinden sollen, musste wegen der SARS-CoV-2-Pandemie durch eine schriftliche Abstimmung ersetzt werden.

Der genehmigte Jahresbericht 2020 kann hier heruntergeladen oder hier als Drucksache bestellt werden. Er informiert über die Tätigkeiten des Instituts im vergangenen Jahr und enthält auch einen Aufsatz von Matthias Friedli, Dieter Studer-Joho und Manuela Weibel zum Thema «Hunziker2020: Das Aargauer Wörterbuch auf seiner Reise ins 21. Jahrhundert» sowie die «Neuerscheinungen zum Schweizerdeutschen».

Neu in den Vorstand gewählt wurde Prof. Dr. Guido Seiler, Universität Zürich. Er tritt die Nachfolge von Dr. Christoph Guggenbühl an, der 15 Jahre für das Schweizerische Idiotikon im Vorstand gewirkt hat.

 

Anfangs Jahr ist das 227. Heft des Schweizerischen Idiotikons – das sechste des 17. Bandes – herausgekommen. Einerseits enthält es den Abschluss der Wortfamilie Züüg I «Zeuge» mit Verben wie züügen I und bezüügen «Zeuge sein, sich auf Zeugen berufen» oder überzüügen «überführen, überzeugen» sowie Substantiven wie Züügnis und Züügsami «Bezeugung, Beurteilung». Anderseits umfasst es den umfangreichen Artikel Züüg II «Zeug: Mittel, Rohstoff, Ding» einschliesslich seiner zahlreichen Zusammensetzungen wie Chlausenzüüg «Pyramide aus Gebäck und Früchten», Gvätterlizüüg «Spielzeug» und Wërchzüüg «Werkzeug» sowie Verben wie züügen II «versehen, hervorbringen, besser werden». Den Abschluss bilden einige kleine Wortfamilien wie Zaagg «langsame, schwächliche Person», Zaggen «Zacken» und Ziggzagg «Zickzack».

In einem kürzlich herausgekommenen Sammelband über die derzeit in Bearbeitung befindlichen grosslandschaftlichen Wörterbücher des Deutschen (ZDL-Beiheft 181) ist auch das Schweizerische Idiotikon vertreten. Der Beitrag informiert erstens über Konzept, Geschichte und Rahmenbedingungen von Werk und Institut; zweitens über Konzeption, Struktur und Inhalt der Wortartikel; drittens über texttechnologische Aspekte und viertens über das linguistische und kulturhistorische Potential des Werks. Der Aufsatz kann hier heruntergeladen werden. Das ganze Buch kann man hier downloaden.

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