Wortgeschichten

Graubünden, Churwalchen, Dreibünden oder Rätien?

Illustration: Tizian Merletti
Der deutsche Name des östlichsten Schweizer Kantons ist Graubünden. Das war aber nicht immer so: Frühere Namen waren Churwalchen, Drei Bünde und Rätien. Daran erinnern zum Beispiel der Berggipfel Dreibündenstein ob Chur und die Rhätische Bahn, die durch den Kanton kurvt. Woher kommen diese Namen und warum trägt der Kanton heute ausgerechnet die Farbe grau im Namen, wo er doch in der Eigen- und Fremdvorstellung vorwiegend unter blauem Himmel liegt...
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De Türgg

Illustration: Tizian Merletti
«Vernünftig, sittsam und bescheiden» nennt der Zürcher Pfarrer Johann Jakob Redinger (1619–1688) in seinem Bericht die Türken, die er 1664 auf seiner Reise im Heerlager in Neuhäusel (heutige Slowakei) antrifft. Sein Ziel ist es, den Grosswesir von der nahenden Endzeit in Kenntnis zu setzen und die Türken zum Christentum zu bekehren. Die Türken standen damals im Kriegszustand an der österreichischen Grenze, nicht zum ersten Mal: Ab Mitte des 14.&n...
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Die cheibe Brääme

Illustration: Tizian Merletti
Bei schwüler Hitze und damit besonders in den Hundstagen, wenn es also brüetig heiss, tüppig, töischtig oder tääschtig ist, laufen die Bremsen oder d Brääme – nur die blutsaugenden Weibchen stechen – zur Hochform auf. Die Bremsen heissen bei uns Brääme oder Breeme, mehr regional auch Braame, Broome, Bromme (Nordschweiz), Brieme (Nordostschweiz) oder Bri(i)me (Sarganserland, Churer Rheintal). Diese Varianten gehen alle auf althochdeutsch brëm...
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Füürioo, felchioo, chindenoo!

Illustration: Tizian Merletti
Mit Feuer spielen ist gefährlich: Leicht steckt man dabei Haus und Hof in Brand. Brennt es lichterloh, ruft man laut füürioo!, um andere zu warnen. Das haben in der Deutschschweiz seit 1973 Generationen von Kindern mit dem Kasperlitheater Füürio, de Zeusli chunnt! gelernt. Früher war das Allgemeinwissen, heute ruft dagegen kaum mehr jemand füürioo. In der Not schreit man Hilfe! (ein Wort, dessen Form die Entlehnung aus der Standardsprache verrät;...
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Zmorge

Illustration: Tizian Merletti
Einen Schnaps zum Frühstück? Undenkbar. Auch Mitte des letzten Jahrhunderts, als für den Atlas der schweizerischen Volkskunde eine grossangelegte Materialsammlung stattfand, war Schnaps gemäss den vorwiegend ländlichen Informantinnen und Informanten kein Bestandteil des Frühstücks – aber verbreitet als sogenanntes Vorfrühstück. Mit einem Schnaps oder einem Kaffee Schnaps liess sich der Magen in der Frühe entnüchtern (daher die Bezeichnungen Zetnü...
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Fünf Dinge, die Sie über Ortsnamen wissen müssen

Illustration: Tizian Merletti
So könnte ein Titel lauten, würden die Verfasser der vorliegenden Wortgeschichte «Clickbaiting» nach Art moderner Online-Medien betreiben. Dabei wissen auch wir nicht genau, welche fünf bzw. wie viele Dinge überhaupt Sie über Ortsnamen wissen sollten. Aber wir wissen, dass Zahlen in der traditionell eher zahlenfremden Philologie eine zunehmend wichtige und nützliche Sache sind. Quantitative und computergestützte Forschungsmethoden haben längst Ei...
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Warum der Begriff Töchtiwiib heute tabu ist, das Wybermahl aber die Frauen von Hettiswil weiterhin erfreut

Illustration: Tizian Merletti
Was ist der Unterschied zwischen einem Wiib und einer Frau? Kommt auf die Epoche und die Region an: Das mittelhochdeutsche wîp bedeutete schlicht «Frau», ebenso neutral wie der man «Mann», wogegen eine vrouwe eine «Herrin, Gebieterin», jedenfalls eine «Frau von höherem Stand» war. Diese Verhältnisse haben sich in der heutigen Standardsprache verschoben, das Weib ist eine abschätzige Bezeichnung und die Frau das allgemeine Wort für eine «weibliche...
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Hurtig

Illustration: Tizian Merletti
Mani Matters Hansjakobli schnaagget tifig tifig unter das Taburettli, der Bueb mit Name Fritz rennt so schnäll, dass man ihn gar nicht sieht, beim Boxmatch geits nid gschwing, denn beide Boxer stehen noch im Ring, und in einem anderen Lied singt Matter: Doch muess i ietze hurti höre, s Lob vo dr Fuulheit hie z beschwöre. Tifig, schnäll, gschwing, hurti – nur eine kleine Auswahl von Ausdrücken, die man für hochdeutsch schnell verwenden kann. Weite...
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Jaamerlise und Göölipeeter

Illustration: Tizian Merletti
Ruodi war mein Grossonkel, Dorotee ist die Cousine meiner Mutter, Rees mein Arbeitskollege, Triine eine stadtbekannte Wirtin und ich bin Tiis. So weit, so eindeutig – Namen helfen uns im Alltag, zielgerichtet und genau von Personen zu sprechen. Wenn ich von Triine erzähle, muss ich nicht wortreich erklären, dass das die ist, die in diesem Restaurant im Norden der Stadt (wie hiess es nochmal?) wirtet. Wer Triine kennt, weiss, von wem die Rede ist....
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Stubefuchs und Neujohrchälbli, Ofechatz und Feischtergüggel

Illustration: Tizian Merletti
Jahreswechsel! Letzte Gelegenheit, im alten Jahr doch noch einmal unter den Ersten zu sein! Erste Chance, im neuen zu spät zu kommen! Der Jahreswechsel als Ende und Neuanfang war früher mit verschiedenen Spielereien verbunden, die heute vermutlich mehrheitlich vergessen sind. Wer am 31. Dezember (je nach Region am 1. Januar) zuerst aufstand und in der Stube erschien, war der Stubefuchs oder Stubehund und galt als besonders zuverlässig. ...
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Auf- und abwärts: Warum ausserhalb des Deutschwallis niemand weiss, wohin embri und embrüf führen

Illustration: Tizian Merletti
Walliser Dialekte sind die exotischsten, da sind sich in der übrigen Deutschschweiz alle einig. Hier gibt es so altertümliche Formen wie gizogu für das in den meisten Dialekten übliche zoge, hier heisst es Hiischer statt Hüüser, dem Vögeli sagt man Vogelti. Zwar gibt es auch andernorts sprachliche Besonderheiten, aber nur im Wallis (und in den Sprachinseln im Piemont und im Tessin, die von dort aus besiedelt wurden) treten sie in dieser Häufung a...
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Sprachwitz und Globalisierung in den Orts- und Flurnamen

Illustration: Tizian Merletti
Winterthur in Delaware, New Bern in North Carolina, Nova Friburgo in Brasilien – jeder hat schon von den Schweizer Namensvettern in Übersee gehört, gegründet von Schweizer Auswanderern im 19. Jahrhundert, die ein Stück ihrer alten Heimat in die neue exportierten. Doch was machen Bethlehem, Moskau und Helgoland in der Schweiz? Und warum gibt es in der Schweiz unter anderem mindestens 26 Amerikas, 23 Bethlehems, vier Afrikas, fünf Sibirien, sieben ...
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Bschüssig: Was Teiggis von Pasta unterscheidet

Illustration: Tizian Merletti
In klassischen Schweizer Kochbüchern werden Rezepte wie Älplermagronen beschrieben, in modernen Foodblogs geht der Trend eher zu Gerichten wie Strozzapreti mit Barba di frate, bei denen manche gar nicht wissen, was die Zutaten sind (wörtlich Priesterwürger mit Mönchsbart; eine Art geschwungener Teigwaren mit Salzkraut, das ähnlich wie Spinat zubereitet wird). In den Gestellen der Supermärkte stehen darum heute auch mehr oder weniger exotische Leb...
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Der Kanarienvogel – und was er mit Kardinälen und Hunden zu tun hat

Illustration: Tizian Merletti
Vermutlich sagen heute alle Deutschschweizerinnen und Deutschschweizer dem hübschen gelben Vogel, der so schön singt und den man deshalb gerne im Käfig hält, Kanaarievo(o)gel. Das Wort ist so durchsichtig, dass sicher viele schon richtig vermuten, was dahintersteckt: Es ist ein Vogel, den die Spanier von den Kanarischen Inseln nach Europa mitbrachten. Die Stammart übrigens ist der Kanarengirlitz, der von der Regionalregierung 1991 zum «Natursymbo...
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Panaché

Illustration: Tizian Merletti
Was dem Österreicher und Süddeutschen der Radler, dem Norddeutschen das Alsterwasser, ist der Schweizerin das Panaché (in jüngerer Zeit meist ohne das e am Wortende ausgesprochen: Panasch), ein Erfrischungsgetränk aus ungefähr hälftig Bier und Zitronenlimonade (in der Schweiz verallgemeinernd Citro genannt). Panaché ist entlehnt aus dem französischen Wort für ‘bunt gemischt’, eben panaché, und dokumentiert, wie das Schweizerdeutsche in vielen Leb...
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Ausserrhoden, Innerrhoden

Illustration: Tizian Merletti
Kantone namens Appenzell gibt es zwei: Ausserrhoden und Innerrhoden. Dass die Rhoden eine Art Gemeinden waren, weiss der eine oder die andere auch ausserhalb der Ostschweiz – aber woher kommt das Wort? Mit Griechisch hat es nichts zu tun, trotz dem «rh» – das ist nur barocker Schnickschnack, der nicht vor dem 18. Jahrhundert anzutreffen ist. Mit dem amerikanischen Rhode Island hat es natürlich auch nichts zu tun (das stammt womöglich von nie...
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immer

Illustration: Tizian Merletti
Wer in einer Partnerschaft lebt, hat es vielleicht auch schon gehört: Sag niemals «immer»! «Immer sagst du ...», «immer machst du ...» usw. kann eine Auseinandersetzung nur verschlimmern. Aber auch wer Freude hat an bodenständiger, vom Hochdeutschen unabhängiger Deutschschweizer Mundart, weiss einen Grund, niemals «immer» zu sagen – das Wort ist nämlich ein schriftdeutscher Import aus mittel- und niederdeutschen Gefilden, es war den oberdeutschen...
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Töff

Illustration: Tizian Merletti
Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte – lässt aber auch die Motoren wieder knattern über die Pässe. Die Temperaturen steigen, es ist länger hell, das lockt die Töfffahrer auf die inzwischen wieder schneefreien Strassen. Der Motor geölt, der Tank gefüllt, das Chrom poliert, es ruft die grosse Freiheit. Doch aufgepasst: Brumm, quietsch, peng, klirr – schnell ist es passiert, und das Knattern erstickt in ächz, stöhn, heul. ...
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Fastenspeisen: Conterser Bock, g’chüechlets Ei und Krosseier

Illustration: Tizian Merletti
An Freitagen und zur vierzigtägigen Fastenzeit vor Ostern wurden insbesondere in katholischen Gegenden noch vor nicht allzu langer Zeit bestimmte Speisegebote streng eingehalten; das Wort fasten selbst ist möglicherweise verwandt mit fest und bedeutet dann eigentlich «(am Gebot) festhalten». In der Fastenzeit verboten ist das Fleisch von Warmblütern (daher der Freitag als Fischtag). In älterer Zeit umfasste das Fastengebot ausserdem auch Alkohol,...
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Mit dem Chriesimaa im Bett

Illustration: Tizian Merletti
Wenns wieder kalt ist, freut man sich abends über ein warmes Bett. Damit das Bettzeug einen nicht mit Eiseskälte empfängt, legt man etwa eine mit heissem Wasser gefüllte Bettfläsche aus Gummi oder Metall ins Bett und wärmt es vor. Klassischer ist die Bettpfanne: laut Schweizerischem Idiotikon ein «trommelförmiges hohles Kupfergeschirr mit Stiel, das mit glühenden Kohlen gefüllt im Bette hin- und hergezogen wird, um es zu wärmen». Eine solche Pfan...
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