Illustration: Tizian Merletti
Besonders im Grossraum Zürich und im Gebiet des alten Bern (heute Bern, Waadt, westlicher Aargau) kennt man ihn: den Berchtoldstag, dialektal «Bächteli(s)tag», «Berchteli(s)tag», «Berteli(s)tag» oder «Bärzeli(s)tag». In der Berner und Zürcher Tradition fällt er auf den 2. Januar, im thurgauischen Frauenfeld auf den dritten Montag im Januar. Doch wer ist Berchtold? Einen Heiligen dieses Namens gibt es nicht, und die Kantone, die den Tag begehen, stehen ohnehin in reformierter Tradition, feiern also keine Heiligentage. Im Internet findet man Texte, in denen von einer keltischen Perchta, die eine Art Frau Holle sei, die Rede ist; in anderen denkt man an eine germanische Göttin, an einen seligen Berchtold aus dem Kloster Engelberg und an Herzog Berchtold von Zähringen.

Die Redaktion des Schweizerischen Idiotikons ging die Sache in Band IV 1538f. (Berchta, berchtelen) und Band XII 962ff. (Berchtelens-Tag) sprachlich an. Mittelhochdeutsch «berchttag» oder «berchteltag» und «berchtnacht» waren Bezeichnungen für das Fest der Epiphanie, die «Erscheinung des Herrn», welches am 6. Januar gefeiert wird. Griechisch «epiphaino» bedeutet «erscheinen, hervorglänzen, hervorleuchten», mittelhochdeutsch «bercht», «berchtel» heisst «glänzend, leuchtend» (wie heute noch englisch «bright», hell). Es ist damit am wahrscheinlichsten, dass «bercht(el)tag» eine Lehnübersetzung von «epiphaneia/epiphania» ist, dem griechisch-lateinischen Namen für das Fest der Erscheinung des Herrn. Vielleicht hat bei der Übersetzung auch mitgespielt, dass die am 6. Januar vorgetragene Lesung aus Jesajas mit «Surge, illuminare, Ierusalem, quia venit lumen tuum, et gloria Domini super te orta est» (Mach dich auf, Jerusalem, werde licht! Denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn ist aufgestrahlt über dir) beginnt. Weil «Bercht-» in späterer Zeit nicht mehr verständlich war, wurde es dialektal vielfach umgeformt bzw. schriftsprachlich mit dem Personennamen Berchtold verbunden. Das Brauchtum hingegen – soweit es nicht wie in Zürich «nur noch» eine reformatorisch-gesittete Abgabe von Neujahrsblättern ist – steht im Kontext des allgemeinen Winter-, Jahreswechsel- und Fasnachtsbrauchtums.

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