Wortgeschichten

Aprikose, Barille, Baringeli, Marille, Amerille – und Äämerich

Jetzt sind sie wieder reif, die Aprikosen! Im modernen Schweizerdeutsch gilt dieses Wort wohl überall. Nach den zwischen 1939 und 1957 erhobenen Daten des Sprachatlasses der deutschen Schweiz war Aprikose aber erst in der westlichen und in der östlichen Deutschschweiz bekannt; im Kanton Zürich galt damals noch geschlossen Barile, in Teilen der Innerschweiz und im östlichen Aargau Baringeli und im Wallis Ääm(e)rich, Äämbrich. Noch einmal ein paar ...
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Zibele und Bölle

Alljährlich am vierten Montag im November findet in Bern der «Zibelemärit» statt, weshalb wir unsere heutige Wortgeschichte der Küchenzwiebel widmen. Dialektal ist die Deutschschweiz ziemlich genau zweigeteilt: In der westlichen Hälfte sagt man Zibele (Ziibele, Zübele, Züübele), in der östlichen Hälfte Bölle (Böle, Büle, Bülle, Belle). Das Westwort Zibele kam – vielleicht über die Klostersprache – aus dem Süden in die Schweiz; Grundlage ist spätl...
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Meringue

Woher kommt eigentlich das Wort Meringue (Merängg, Merängge, Meeringe)? Populär ist die Idee, der Name dieses Schaumgebäcks aus gezuckertem Eischnee sei eine Französisierung des Ortsnamens Meiringen, denn es sei ein Berner Oberländer gewesen, der es erfunden habe. Erstmals erwähnt wird das Wort allerdings in einem französischen Kochbuch von 1691 – zu einer Zeit, als die Meiringer Säumer und Bauern wohl noch anderes als gebackenen Eischnee zu sich...
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Triätschnitten

Ein altes Dessert, Zvieri oder Adventsgebäck sind die Triätschnitten: Altbackene Zopf- oder Einbackscheiben werden in einen dicken Zuckersirup oder in Eiweiss getaucht, dann mit Triätpulver (Nelken, Muskat, Sandelholz, Zimt, Macis, Anis oder Ingwer) und Puderzucker bestreut und schliesslich mit einer Weinsauce (Rotwein mit etwas Zitronenzesten, Zimt, Nelken und Zucker) übergossen.Doch was ist eigentlich «Triät», das auch in den Varianten «Träse(t...
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Grättimaa, Grittibänz, Hanselmaa und Elggermaa

Illustration: Tizian Merletti
Heute wenden wir uns, wen erstaunt's, den schweizerdeutschen Wörtern für den Teigmann zu, den man am 6. Dezember verzehrt. Am verbreitetsten ist der Grittibänz, die Basler kennen den Grättimaa, die Luzerner und Solothurner hatten zumindest früher den Hanselimaa oder Hanselmaa, und in der Region Winterthur–Unterthurgau–Stein ist oder war der Elggermaa zu Hause. Grätte und gritte bedeuten beide «die Beine spreizen; grätschen». B...
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Hafechääs

«Hafechääs» ist ein Wort, das wir heute in der Bedeutung «Blödsinn, Quatsch, Mist» gebrauchen. Die ursprüngliche Bedeutung kennen wir aus Quellen des 16. bis 19. Jahrhunderts. So erklärte beispielsweise der Zürcher Lexikograph Josua Maaler in seinem Wörterbuch «Die Teütsch spraach» von 1561 den «hafenkäß» mit «alter fauler käß. So man stücklin von altem käß in ein hafen zuosamen legt, und weyn darüber schütt, und also laßt graaten und in einander...
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Wimmet und wimmen

Er hat schon angefangen: der «Wimmet», «Wüm(m)et», «Wimlet» oder «Wümlet», und viele fleissige Leute stehen in den Rebbergen, um zu «wimme», «wüm(m)e», «wimle» oder «wümle». So sagt man in der östlichen Hälfte der Deutschschweiz und, räumlich isoliert, in der Variante «wimde, wimdu» auch im Wallis dem Ernten der Trauben. In den andern Landesgegenden spricht man hingegen von «läse» und «Läset» oder von «herbschte» und «Herbscht». Das Verb «wimme» ...
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Landjäger

Passend zur Wandersaison ist das Wort der Woche der «Landjäger». Diese geräucherte und luftgetrocknete Wurst ist kein zu Fleisch verarbeiteter Polizist (früher «Landjäger» genannt), sondern es liegt wahrscheinlich eine Umdeutung aus «lang tige» vor. Das Dialektwort «tige» (eigentlich identisch mit hochdeutsch «gediegen») bedeutet im Schweizerdeutschen «getrocknet, gedörrt, geräuchert». Eine andere, ebenfalls von «tige» ausgehende Umdeutung zeigt ...
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Cervelat

Illustration: Tizian Merletti
Das Wort zum 1. August ist der oder die Cervelat, die Schweizer Nationalwurst, hierzulande (anders als in Frankreich!) eine Brühwurst aus Rindfleisch, Schwarten und Speck. Das Wort geht via das Französische und Italienische auf lateinisch «cerebellum» 'Gehirn, Hirn' zurück, womit auch schon gesagt ist, was die Wurst ursprünglich enthielt. Die frühere Schweizer Nationalhymne «Heil dir, Helvetia» (die mit der Melodie von «God save the Queen» gesung...
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Gänterli

Das Wort der Woche ist das «Gänterli». Dieses vornehmlich innerschweizerische Wort für Küchenschrank ist eigentlich die Verkleinerungsform von «Gänter», was Gitter bedeutet. Das «Gänterli» war also ursprünglich ein mit Gitterwerk versehener Kasten. «Gänter» seinerseits geht zurück auf lateinisch «cantherius», ein Wort für Dachsparren oder Sparren als Fassunterlage.Permalink: https://idiotikon.ch/wortgeschichten/gaenterli

Appenzeller Biber

Das Wort der Woche: Hat die Appenzeller Lebkuchenspezialität namens «Biber» etwas mit dem gleichnamigen Nagetier zu tun? Nein. Es handelt sich um eine Verkürzung aus «Biberzelten» oder «Biberfladen», und dieser Biberzelten wiederum hiess im Spätmittelalter Bimen(t)zelten. Der Wortbestandteil «Biment» geht auf mittellateinisch pigmentum beziehungsweise mittelhochdeutsch pigment zurück, was «Gewürz, Spezerei» bedeutete. Der Wortbestandteil «Zelten»...
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