Wortgeschichten

Einkaufen zum Ersten – das «sinnvolle» Geldausgeben: chraame, poschte, kömerle & Co.

Advent ist nicht nur das Warten auf das Fest der Geburt Christi, sondern für viele auch eine Hoch-Zeit des Einkaufens – schliesslich müssen ungezählte Liebste mit einem Geschenk beglückt werden. Wie sagt man dieser Tätigkeit denn nun eigentlich auf gut Schweizerdeutsch? Wer im Schweizerischen Idiotikon nach­schlägt, wird nicht so recht fündig – genauer gesagt: solange das «sinnvolle» Einkaufen gemeint ist. Um dieses geht es in dieser Wortgeschich...
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Babau, Stüübimaa, Nachtfrau und Holzmieteren

Wenn es wieder früher dunkel wird, hat man die Kinder abends gern im Haus und unter Kontrolle. Vermutlich brauchen heutige Eltern reale Argumente, um sie zur rechtzeitigen Heimkehr zu bewegen. Früher setzte man dagegen auf Angst und Abschreckung: Man erzählte ihnen von Schreckgestalten, die Kinder holten, wenn sie abends noch draussen unterwegs waren. So sagte man ihnen in der Romandie und in manchen Tessiner und romanischen Bündner Orten, aber a...
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Herbstzeit – nicht nur Zwätschge-, sondern auch Chrieli-, Steifrüümli-, Palöögli-, Wärdasche-Zeit

Viele DeutschschweizerInnen sind stolz darauf, dass sie im Gegensatz zu Norddeutschen Zwetschgen und Pflaumen auseinanderhalten können. In wissenschaftlicher Terminologie wird zwar zwischen den beiden unterschieden, aber vor allem hierarchisch: Prunus ist der Name eine Untergattung der Steinobst­gewächse, die wiederum in verschiedene Sektionen unterteilt ist, deren eine ebenfalls Prunus oder deutsch Pflaume heisst – Pflaume (Prunus domestica) ist...
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Go(ge) schaffe gaa

Schweizerdeutsch – wie auch seine alemannischen Nachbarmundarten im Oberelsass und in Südwestdeutschland – kennt nach gaa/goo «gehen» eine eigenartige Partikel, nämlich go (oder ga, ge, gi, gu) – die auch noch verdoppelt werden kann: ich gang go(ge) schaffe, go spaziere, go schlaaffe. Die Idee, dass dieses go nichts anderes sei als gaa/goo, dass also «gehen» einfach verdoppelt werde, ist alt – aber stimmt sie oder stimmt sie nicht? Ja und nein. S...
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Zibele und Bölle

Alljährlich am vierten Montag im November findet in Bern der «Zibelemärit» statt, weshalb wir unsere heutige Wortgeschichte der Küchenzwiebel widmen. Dialektal ist die Deutschschweiz ziemlich genau zweigeteilt: In der westlichen Hälfte sagt man Zibele (Ziibele, Zübele, Züübele), in der östlichen Hälfte Bölle (Böle, Büle, Bülle, Belle). Das Westwort Zibele kam – vielleicht über die Klostersprache – aus dem Süden in die Schweiz; Grundlage ist spätl...
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Wüetisheer

Namentlich in den zwölf Nächten zwischen Weihnachts- und Dreikönigstag zieht es durch einsame Gegenden oder mitten durch Häuser, teils lärmend und schreiend, teils begleitet von Jagdrufen und Hundegebell, teils von geisterhaft lockender Musik: das Wüetisheer. Es handelt sich dabei um einen Zug armer Seelen, manchmal auch um ein einzelnes Gespenst. Im ersten Wortbestandteil steckt der germanische Gott Wuotan, was in der berndeutschen Lautung Wüeti...
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Wilhelm Tell – woher kommt dieser Name?

Illustration: Tizian Merletti
Angesichts des sich nähernden Bundesfeiertags widmen wir uns – Wilhelm Tell. Nicht der Sage als solcher, sondern dem Namen. Als unser Nationalheld zum ersten Mal in einer Schweizer Quelle erwähnt wurde, dem Weissen Buch von Sarnen (um 1470), hiess er Tall, bei seiner zweiten Erwähnung im Tellenlied (1477) dann Tell. Ein solcher Name war einst gar nicht so ungewöhnlich, wie heutige Ortsnamen bezeugen; so gibt es etwa in Obwalden ein Delligen, in N...
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Chind, Bueb und Meitli – zum heutigen Weltjugendtag

Heute ist der Internationale Tag der Jugend. Die einschlägigen Wortartikel im Idiotikon wurden um 1900 herum verfasst und reflektieren einige eigentümliche Ansichten über die nachwachsende Generation. Hier ein paar Müsterchen: Morgens früh beim Heraustreten aus der Haustür einem Buben zu begegnen, galt in Stammheim für ein gutes Omen. D Mäitschi und Abrellewätter sind veränderli, hiess es im Luzernischen. Im Emmental bedeuteten Buben für die Pati...
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Meringue

Woher kommt eigentlich das Wort Meringue (Merängg, Merängge, Meeringe)? Populär ist die Idee, der Name dieses Schaumgebäcks aus gezuckertem Eischnee sei eine Französisierung des Ortsnamens Meiringen, denn es sei ein Berner Oberländer gewesen, der es erfunden habe. Erstmals erwähnt wird das Wort allerdings in einem französischen Kochbuch von 1691 – zu einer Zeit, als die Meiringer Säumer und Bauern wohl noch anderes als gebackenen Eischnee zu sich...
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Jeans, Chöltsch, Galli und andere Stoffnamen

Die Tuch- oder Stoffnamen zeichnen eine ganze Geographie nach. Kaum nötig zu erklären ist «Manchester» (bundesdeutsch: Cord), das an die einst blühende Textilindustrie der gleichnamigen englischen Stadt erinnert. Nur wenig bekannt dürfte hingegen sein, dass «Jeans» auf den (gleich ausgesprochenen) englischen Namen «Genes» für die italienische Handelsstadt Genua zurückgeht. «Denim», der Baumwollstoff, aus dem die ersten Jeans hergestellt wurden, m...
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Grättimaa, Grittibänz, Hanselmaa und Elggermaa

Illustration: Tizian Merletti
Heute wenden wir uns, wen erstaunt's, den schweizerdeutschen Wörtern für den Teigmann zu, den man am 6. Dezember verzehrt. Am verbreitetsten ist der Grittibänz, die Basler kennen den Grättimaa, die Luzerner und Solothurner hatten zumindest früher den Hanselimaa oder Hanselmaa, und in der Region Winterthur–Unterthurgau–Stein ist oder war der Elggermaa zu Hause. Grätte und gritte bedeuten beide «die Beine spreizen; grätschen». B...
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Wie man vor 500 Jahren gefrotzelt und beleidigt hat ...

Wie hat man eigentlich vom 14. bis 17. Jahrhundert herumgefrotzelt und andere beleidigt? Deftig, kann man nur sagen... Die Zitate stammen aus Zürcher Gerichtsprotokollen, sofern nichts anderes bemerkt ist; Worterklärungen finden sich ganz unten. Den Anfang macht Johannes Mahler in seinem 1620 aufgeführten «Spiel von St. Stanislaus»: Mir wendt gon sauffen ritterlich, das bintzen wachsendt in dem maul. Gröber sind die Beschimpfungen, derentwegen ma...
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Der Sechseläutenböögg und andere Bööggen

Illustration: Tizian Merletti
Jeden April wird am Zürcher Sechseläuten der Böögg verbrannt, ein auf einem zehn Meter hohen Holzhaufen stehender, mit Holzwolle und Knallkörpern gefüllter Schneemann. Bevor der Böögg im 19. Jahrhundert eine Angelegenheit der Zünfter wurde, trugen Knaben aus den verschiedenen Quartieren solche den Winter darstellenden Strohpuppen zur Schau durch die Stadt und verbrannten sie anschliessend. Das Wort ist oder war auch ausserhalb Zürichs bekannt und...
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Berchtoldstag

Illustration: Tizian Merletti
Besonders im Grossraum Zürich und im Gebiet des alten Bern (heute Bern, Waadt, westlicher Aargau) kennt man ihn: den Berchtoldstag, dialektal «Bächteli(s)tag», «Berchteli(s)tag», «Berteli(s)tag» oder «Bärzeli(s)tag». In der Berner und Zürcher Tradition fällt er auf den 2. Januar, im thurgauischen Frauenfeld auf den dritten Montag im Januar. Doch wer ist Berchtold? Einen Heiligen dieses Namens gibt es nicht, und die Kantone, die den Tag begehen, s...
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Anken, Schmalz, Britschi – und Butter

Das im Idiotikon am häufigsten gesuchte Wort ist Anke – gefolgt von Cheib (siehe Wortgeschichte Nr. 29 vom 17. Oktober 2012), huere und Siech. Im traditionellen Schweizerdeutsch gilt Anke (oder Angge, Aahe, Ouhe/Ouche, Aihu/Aichu, Öihu/Öichu) für «Butter» im grössten Teil der Deutschschweiz – von Basel und Winterthur im Norden bis Zermatt im Süden und von Murten im Westen bis Walenstadt im Osten. Im deutschen Sprachraum kennen zwar ausschliesslic...
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Mach nöd eso en Lätsch!

Illustration: Tizian Merletti
En Lätsch mache heisst «missmutig den Mund verziehen», lätsche meint «den Mund zum Weinen verziehen; weinen», und ein Brüel(l)ätsch ist ein «oft und laut weinendes Kind». Das Wort Lätsch hat eine überraschende Verwandtschaft: den Latz und das Lasso. Alle drei gehen letztlich auf lateinisch laqueus «Schlinge, Fallstrick» zurück, haben also gemeinsame Grosseltern – aber nicht gemeinsame Eltern. Im Spanischen wurde lateinisch laqueus zu lazo, was ne...
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Vom Guetjahr und der Helsete sowie (un)anständigen Neujahrswünschen

Illustration: Tizian Merletti
Heute konzentriert sich das um die Wintersonnenwende übliche Schenken auf Weihnachten. Früher gab es (und gibt es da und dort noch heute) eine ganze Reihe möglicher Geschenktermine – Nikolaustag, Heiligabend, Weihnachtstag, Neujahrstag und Dreikönigstag. Wohl ganz verschwunden sind die traditionellen Namen für das, was wir heute einfach Gschänk oder Gschänkli nennen: die Helsete, der Helstag und, besonders sprechend, das Guetjahr oder Guetjohr. D...
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Figgi und Müli haa

In den kommenden Wortgeschichten wollen wir einigen typisch schweizerdeutschen Wendungen nachspüren. In dieser Wortgeschichte geht es nun um «Figgi und Müli». Figgi und Müli haa bedeutet «zwei Optionen zugleich offen haben». Der Begriff stammt aus dem Mühlespiel: Eine «Mühle», schweizerdeutsch Müli, sind im Mühlespiel (oder Nüünimool, -spiil, -schtäi, -zie, wie man hierzulande auch sagt) drei Steine der gleichen Farbe, die in einer Geraden auf Fe...
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Wenn Helvetia hungrig ist

Heute singt, wer dazu aufgelegt ist und den Text kennt, zu patriotischen Anlässen Trittst im Morgenrot daher …, bekannt als «Schweizerpsalm». Bis 1961 galt «Rufst du, mein Vaterland» als Nationalhymne. Deren Nachteil war, dass sie zur Melodie von «God save the Queen» gesungen wurde, der Hymne der britischen Monarchie, was zur kuriosen Situation führen konnte, dass bei Sportanlässen dieselbe Melodie für zwei unterschiedliche Länder gespielt wurde....
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Vom Tschutten der Bälle und Schafe

Die Schweiz ist zwar im Achtelfinal der WM ausgeschieden, aber wir machen mit unseren Wortgeschichten zum Fussball weiter! Die Fachterminologie des Fussballs wurde Ende des 19. Jahrhunderts gleich zusammen mit dem Sport aus England in die Schweiz importiert. Darum heisst es in der Deutschschweiz immer noch Goal statt wie in unseren nördlichen Nachbarland eingedeutscht Tor, Penalty statt Strafstoss und Corner statt Eckstoss. Das hiesige tschuute, ...
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