Wortgeschichten

Babau, Stüübimaa, Nachtfrau und Holzmieteren

Illustration: Tizian Merletti
Wenn es wieder früher dunkel wird, hat man die Kinder abends gern im Haus und unter Kontrolle. Vermutlich brauchen heutige Eltern reale Argumente, um sie zur rechtzeitigen Heimkehr zu bewegen. Früher setzte man dagegen auf Angst und Abschreckung: Man erzählte ihnen von Schreckgestalten, die Kinder holten, wenn sie abends noch draussen unterwegs waren. So sagte man ihnen in der Romandie und in manchen Tessiner und romanischen Bündner Orten, aber a...
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Pitta

Illustration von Tizian Merletti
Der Jahreswechsel war und ist mit verschiedenen Bräuchen verbunden. Dazu gehören bestimmte Neujahrsgebäcke, die man den Kindern schenkte und den Gästen offerierte, die kamen, um das Neujahr anzuwünschen. Das Idiotikon nennt den Bümmel, einen braunen Honigfladen, den Zupfewegge in Zeiningen, den Tirggel in Schaffhausen, das Tüübli in Bern, das Schnäggli und das Spätzli im Zürcher Weinland, die verbruet Schlange in Zürich, den Ring in Lutzenberg, a...
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Berner Rose, Eppeeri-Öpfel, Suurgraucher & Co.

Über 600 Mundartnamen für alte Apfelsorten enthält der erste Band des Idiotikons aus dem Jahr 1881, darunter so schöne wie Babeli-Öpfel, Chüechli-Öpfel, Eppeeri-Öpfel, Hans-Ueli-Öpfel, Pfundöpfel oder Usteröpfel (auch Chrydebüchsler genannt). Die frühreifen Augst(en)öpfel, Klaröpfel und Grafesteiner sind damals als Sorten gerade neu aufgekommen, ebenso die beliebten Berner Rose, Glogge- und Boonöpfel. Im späten 19. Jahrhundert war der Usteröpfel ...
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Einkaufen zum Zweiten – das «unnütze» Geldausgeben: verdüderle, verplämperle, vertüppele & Co.

Der Batzen vom Grosi oder vom Götti will am Kiosk gut investiert sein: Wie viele Kaugummis gibts dafür? Oder doch besser ein Heftli? Oder Zuckerschlangen? Oder reicht es für alles zusammen? Dem Rat zum Trotz, sich das Geld einzuteilen, ist der Batzen bei den Kindern meist auf einen Schlag weg. Sein Geld für unnötige Kleinigkeiten auszugeben – die einen würden gar von verschwenden sprechen –, dafür finden sich im Schweizerischen Idiotikon einige W...
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Einkaufen zum Ersten – das «sinnvolle» Geldausgeben: chraame, poschte, kömerle & Co.

Advent ist nicht nur das Warten auf das Fest der Geburt Christi, sondern für viele auch eine Hoch-Zeit des Einkaufens – schliesslich müssen ungezählte Liebste mit einem Geschenk beglückt werden. Wie sagt man dieser Tätigkeit denn nun eigentlich auf gut Schweizerdeutsch? Wer im Schweizerischen Idiotikon nach­schlägt, wird nicht so recht fündig – genauer gesagt: solange das «sinnvolle» Einkaufen gemeint ist. Um dieses geht es in dieser Wortgeschich...
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Herbstzeit – nicht nur Zwätschge-, sondern auch Chrieli-, Steifrüümli-, Palöögli-, Wärdasche-Zeit

Viele DeutschschweizerInnen sind stolz darauf, dass sie im Gegensatz zu Norddeutschen Zwetschgen und Pflaumen auseinanderhalten können. In wissenschaftlicher Terminologie wird zwar zwischen den beiden unterschieden, aber vor allem hierarchisch: Prunus ist der Name eine Untergattung der Steinobst­gewächse, die wiederum in verschiedene Sektionen unterteilt ist, deren eine ebenfalls Prunus oder deutsch Pflaume heisst – Pflaume (Prunus domestica) ist...
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Go(ge) schaffe gaa

Schweizerdeutsch – wie auch seine alemannischen Nachbarmundarten im Oberelsass und in Südwestdeutschland – kennt nach gaa/goo «gehen» eine eigenartige Partikel, nämlich go (oder ga, ge, gi, gu) – die auch noch verdoppelt werden kann: ich gang go(ge) schaffe, go spaziere, go schlaaffe. Die Idee, dass dieses go nichts anderes sei als gaa/goo, dass also «gehen» einfach verdoppelt werde, ist alt – aber stimmt sie oder stimmt sie nicht? Ja und nein. S...
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Bünzli

Illustration: Tizian Merletti
Das Wort der Woche ist der «Bünzli». Ursprünglich ein Zürcher Familienname, der entweder auf mittelhochdeutsch «bin[e]z» (= Binse, grasartige Sumpfpflanze) oder auf mittelhochdeutsch «punze» (= geeichtes Weinfässchen) zurückgeht, hat das Wort im 20. Jahrhundert die Bedeutung «Spiessbürger» bekommen. Ausgangspunkt hierfür dürfte die ordentliche und sparsame Züs Bünzlin aus Gottfried Kellers Novelle «Die drei gerechten Kammacher» (1856) sein. Die p...
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Zibele und Bölle

Alljährlich am vierten Montag im November findet in Bern der «Zibelemärit» statt, weshalb wir unsere heutige Wortgeschichte der Küchenzwiebel widmen. Dialektal ist die Deutschschweiz ziemlich genau zweigeteilt: In der westlichen Hälfte sagt man Zibele (Ziibele, Zübele, Züübele), in der östlichen Hälfte Bölle (Böle, Büle, Bülle, Belle). Das Westwort Zibele kam – vielleicht über die Klostersprache – aus dem Süden in die Schweiz; Grundlage ist spätl...
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Wüetisheer

Namentlich in den zwölf Nächten zwischen Weihnachts- und Dreikönigstag zieht es durch einsame Gegenden oder mitten durch Häuser, teils lärmend und schreiend, teils begleitet von Jagdrufen und Hundegebell, teils von geisterhaft lockender Musik: das Wüetisheer. Es handelt sich dabei um einen Zug armer Seelen, manchmal auch um ein einzelnes Gespenst. Im ersten Wortbestandteil steckt der germanische Gott Wuotan, was in der berndeutschen Lautung Wüeti...
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Wilhelm Tell – woher kommt dieser Name?

Illustration: Tizian Merletti
Angesichts des sich nähernden Bundesfeiertags widmen wir uns – Wilhelm Tell. Nicht der Sage als solcher, sondern dem Namen. Als unser Nationalheld zum ersten Mal in einer Schweizer Quelle erwähnt wurde, dem Weissen Buch von Sarnen (um 1470), hiess er Tall, bei seiner zweiten Erwähnung im Tellenlied (1477) dann Tell. Ein solcher Name war einst gar nicht so ungewöhnlich, wie heutige Ortsnamen bezeugen; so gibt es etwa in Obwalden ein Delligen, in N...
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Chind, Bueb und Meitli – zum heutigen Weltjugendtag

Heute ist der Internationale Tag der Jugend. Die einschlägigen Wortartikel im Idiotikon wurden um 1900 herum verfasst und reflektieren einige eigentümliche Ansichten über die nachwachsende Generation. Hier ein paar Müsterchen: Morgens früh beim Heraustreten aus der Haustür einem Buben zu begegnen, galt in Stammheim für ein gutes Omen. D Mäitschi und Abrellewätter sind veränderli, hiess es im Luzernischen. Im Emmental bedeuteten Buben für die Pati...
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Der Thek

Illustration: Tizian Merletti
Im August geht die Schule wieder los, für viele Kinder zum ersten Mal. Was tragen sie am Rücken? In Zürich und Glarus den Theek, im Thurgau den Theekt oder die Theekte, in Luzern die Theeke, im Aargau, in Basel, Bern, Solothurn und in Teilen St. Gallens und Graubündens den Schuelsack, in Bern auch den Habersack oder kurz Habi, im Wallis, in Unterwalden und in Teilen Graubündens die Schueltäsche, vielerorts in Aargau, Bern, St. Gallen, Appenzell u...
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Norwegisches in der Skisprache

Illustration: Tizian Merletti
Die Schneeverhältnisse verlocken noch immer zum Wintersport – deshalb im Folgenden etwas zur Ski- und Langlaufsprache! Deren Basiswortschatz ist norwegisch, kein Wunder, wenn man bedenkt, dass wir das Skifahren aus Norwegen übernommen haben. Ski ist norwegisch für «Scheit» bzw. dann auch für «Schneeschuh» (eigentlich ein flaches Scheit, das man sich an die Füsse schnallt, um sich besser auf dem Schnee fortbewegen zu können). Die Schweden schreibe...
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Baasler Herbstmäss, Lozäärner Määs und der «huorentanz» an der Zurzacher Messe

Diesen Samstag beginnt die Basler Herbstmesse. Mäss in den Bedeutungen ‹überregionaler Markt› und ‹Verkaufsaus­stellung› hat seinen Ursprung im kirchlichen Bereich. Das Wort bedeutet zwar bis heute ‹Gottesdienst, Eucharistiefeier›, hat aber schon früh eine Bedeutungserweiterung zu ‹Feiertag› und ‹Heiligenfest› erfahren. Von da aus gab es, wie bei Chilbi (vgl. Wortgeschichte Nr. 23 vom 5. September 2012), eine Bedeutungsübertragung auf einen mit d...
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Meringue

Woher kommt eigentlich das Wort Meringue (Merängg, Merängge, Meeringe)? Populär ist die Idee, der Name dieses Schaumgebäcks aus gezuckertem Eischnee sei eine Französisierung des Ortsnamens Meiringen, denn es sei ein Berner Oberländer gewesen, der es erfunden habe. Erstmals erwähnt wird das Wort allerdings in einem französischen Kochbuch von 1691 – zu einer Zeit, als die Meiringer Säumer und Bauern wohl noch anderes als gebackenen Eischnee zu sich...
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lismen

Illustration: Tizian Merletti
Lisme «stricken» ist wie Anke (Wortgeschichte vom 27. November 2015) ein Wort, das im deutschen Sprachraum einzig und allein im Alemannischen vorkommt. Restlos klar ist die Wortbildung von lisme nicht, aber es gehört nach Auskunft der verschiedenen Herkunftswörterbücher zweifellos zum Wortstamm von lesen. Dieses bedeutete ursprünglich «sammeln», wie das auch jetzt noch in «auflesen», «zusammenlesen», «Trauben lesen» oder «Linsen verlesen» erkennb...
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Jeans, Chöltsch, Galli und andere Stoffnamen

Die Tuch- oder Stoffnamen zeichnen eine ganze Geographie nach. Kaum nötig zu erklären ist Manchester (bundesdeutsch: Cord), das an die einst blühende Textilindustrie der gleichnamigen englischen Stadt erinnert. Nur wenig bekannt dürfte hingegen sein, dass Jeans auf den (gleich ausgesprochenen) englischen Namen Genes für die italienische Handelsstadt Genua zurückgeht. Denim, der Baumwollstoff, aus dem die ersten Jeans hergestellt wurden, meint eig...
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Gschmöis

Beim Wort «Gschmöis» scheint man geradezu herauszuhören, worum es geht: lauter wertloses, unnützes Zeug. Diese Bedeutung hat sich aber erst nach und nach entwickelt. «Gschmöis» ist eine – sogenannte Rundung (vgl. etwa «heischen» > «höische») aufweisende – Variante von «Gschmeiss», welches seinerseits eine Kollektivbildung zu «Schmeiss» ist. Dieses «Schmeiss» wiederum gehört zum Verb «schmeissen», werfen. «Gschmöis» bedeutete also ursprünglich ...
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Grättimaa, Grittibänz, Hanselmaa und Elggermaa

Illustration: Tizian Merletti
Heute wenden wir uns, wen erstaunt's, den schweizerdeutschen Wörtern für den Teigmann zu, den man am 6. Dezember verzehrt. Am verbreitetsten ist der Grittibänz, die Basler kennen den Grättimaa, die Luzerner und Solothurner hatten zumindest früher den Hanselimaa oder Hanselmaa, und in der Region Winterthur–Unterthurgau–Stein ist oder war der Elggermaa zu Hause. Grätte und gritte bedeuten beide «die Beine spreizen; grätschen». B...
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